Nachhaltiger Tourismus

Diskussionen

Bisher ist der Ökotourismus und das Prinzip nachhaltig reisen noch eher ein Nischenprodukt. In Zeiten des Massentourismus mit Fernreisen in die entlegensten Winkel der Erde machen sich, zumindest bisher, nur die wenigsten Urlauber Gedanken über die Auswirkungen, die ihr Reiseverhaltens auf die Umwelt hat. Es ist ja auch zu verlockend: aus Film und Fernsehen sind wir die sonnenverwöhnten, traumhaften Sandstrände von Karibik und Südsee bestens gewohnt, unser im internationalen Vergleich recht langer Jahresurlaub erlaubt uns auch mehrwöchige Fernreisen oder mehrere Urlaube im Jahr. Da ist es nicht ungewöhnlich, wenn im Sommer der Badeurlaub in der Türkei verbracht wird und für den Winter ein Skiurlaub in den Alpen auf dem Programm steht. Doch nach diversen Umweltskandalen, dem Trend zu „Bio“ und gesünderer Ernährung, ist das Umweltbewusstsein von vielen Verbrauchern geschärft. Werbeversprechen, die eine irgendwie geartete Umweltverträglichkeit suggerieren, stoßen daher leicht auf Zustimmung. Viele Hotelbetreiber versuchen daher, von der Ökowelle zu profitieren und sich einen grünen „Anstrich“ zu verpassen. Selbst wenn nur die Klospülung mit Regenwasser betrieben wird, ist dies Anlass genug, offensiv die Umweltfreundlichkeit des Hauses zu propagieren und sich voreilig und vorsätzlich als Biohotel, Ökohotel oder ökologisches Wellnesshotel zu bezeichnen. Ob für das Hotel dagegen ein ganzer Wald gerupft wurde oder was gar mit dem Abwasser geschieht, bliebt mitunter unerwähnt. Für den Verbraucher sind solche Selbstauszeichnungen schlicht nicht nachprüfbar, für den Hotelier zahlt sich das Trittbrettfahren vermutlich aus, denn die Beachtung von ökologischen Aspekten durch die Touristen wird in Zukunft wohl wachsen. Da will jeder seinen Anteil am neuen Markt frühzeitig sichern.

Doch was bedeutet eigentlich „nachhaltiger Urlaub“? Der Begriff klingt technisch und alles andere als nach einem Urlaub voller Spaß und Erholung. Oder er schreckt ab, weil mit ihm der Gedanke an teure Mehrausgaben verbunden ist. Die Tourismus-Anbieter setzen daher vermehrt auf Ökosiegel und Auszeichnungen, die dem Konsumenten anhand festgelegter Kriterien den Ökotourismus näher bringen sollen. Dazu kommen Auszeichnungen nationaler und internationaler Tourismusverbände. All das macht den Markt nicht übersichtlicher. Im Vergleich mit der Lebensmittelindustrie sind ökologische Auszeichnungen und Siegel im Tourismus-Bereich jedoch noch weitgehend unbekannt. Einige gehen nach Ansicht von Experten auch nicht weit genug. Vielfach stehe der reine Klimaaspekt zu sehr isoliert im Vordergrund. So würden rein ökologische Facetten betrachtet, Nachhaltigkeit erfordert jedoch auch, auf soziale und ethische Fragen Rücksicht zu nehmen. Dies sind eben auch die Grundgedanken, von denen nachhaltiger Tourismus geprägt ist. So ist in vielen Regionen der Tourismus eine wichtige Stütze der lokalen Wirtschaft und hat möglicherweise breiten Bevölkerungsschichten erst zu mehr Wohlstand verholfen. Im Idealfall ist die örtliche Tourismusindustrie in die sonstige Wirtschaft integriert und stellt keine Insel im Wirtschaftsleben da, die mit Land und Leuten in keinem Bezug steht. Auch die Ausbeutung von einheimischen Angestellten sollte ein Aspekt sein, der in diesem Sinn vermieden werden muss. Daher kann auch eine simple, gezielte und konsequente Absage an Fernreisen in diese Regionen keine Lösung sein, da nachhaltiger Tourismus eben auch einen bedeutenden Beitrag zu einer nachhaltigen Entwicklung und ökonomischen Stärkung der Reiseländer beitragen kann. Sogar Naturschutzverbände wie der WWF raten nicht gänzlich von Fernflugreisen ab, da es Wege gibt, die schädlichen Auswirkungen zu minimieren. Statt eines Verzichts auf Reisen in entfernte Länder, sollte ein bewussteres Reisen, also nachhaltig reisen, im Vordergrund stehen.